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Psychopharmakotherapie - Medikamentöse Behandlung

Die Psychopharmakotherapie hat bei psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter einen hohen Stellenwert. Bei manchen Störungen, wie etwa Psychosen, ist eine medikamentöse Behandlung die Basis für jegliche Therapie. Bei anderen Störungen kann eine pharmakologische Behandlung die Psychotherapie unterstützen. 
Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität werden seit 50 Jahren mit Stimulanzien behandelt. Antidepressiva werden zur Behandlung von Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen eingesetzt, Antipsychotika zur Behandlung von psychotischen Störungen und Tic-Störungen, ausserdem zur Behandlung von sehr impulsivem, aggressivem oder selbstverletzendem Verhalten. In akuten Krisen mit starker Erregung und Ängsten können Benzodiazepine kurzzeitig helfen.
Ausser den Medikamenten zur Behandlung von ADHS (neben den Stimulanzien auch Atomoxetin und Guanfacin) kommen alle anderen Präparate aus der Erwachsenenpsychiatrie. Nachdem sie sich dort über Jahre bewährt haben, werden sie in umfangreichen Studien mit Kindern und Jugendlichen bezüglich ihrer Sicherheit und Wirksamkeit geprüft, bevor sie für diese Altersgruppe zugelassen werden. Dabei wird genau festgehalten, für welches Störungsbild und ab welchem Alter ein Medikament eingesetzt werden darf.  Es gibt allerdings auch Präparate, die nicht mehr speziell für das Kindesalter geprüft wurden und die trotzdem auch bei unter 18 jährigen Patienten eingesetzt werden. Dies ist auch in der gesamten Kinderheilkunde der Fall. In Ausnahmefällen, z.B. bei ungenügender Wirkung oder starken Nebenwirkungen, können auch nicht-zugelassene Präparate (off-label Nutzung) im Einverständnis der Eltern und der Jugendlichen verwendet werden.

Vor jeder Behandlung findet ein ausführliches Informationsgespräch mit den Eltern und dem Kind statt. Dabei werden die erhofften Wirkungen, aber auch mögliche unerwünschte Nebenwirkungen des Medikamentes besprochen. Oft brauchen Eltern Zeit, um sich für oder gegen die Behandlung zu entscheiden. Die Fachpersonen haben eine beratende Funktion. Die Entscheidung liegt aber in jedem Fall bei den Eltern und/oder dem urteilsfähigen Kind.

Vor und während jeder medikamentösen Therapie werden, auf das verwendete Präparat ausgerichtete, medizinische Kontrolluntersuchungen durchgeführt. Wirkung und allfällige Nebenwirkungen werden regelmässig vom behandelten Kind, den Eltern und wichtigen Bezugspersonen, z.B. in der Schule erfragt.

Stand: 19. Mai 2020