1879 – 1898

Auguste Forel

Auguste Forel ist eine vielseitig begabte, spannungsreiche Persönlichkeit, bei der sich sozialreformerisches Engagement, nachhaltige Unterstützung der Abstinenzbewegung und neuroanatomische Grundlagenforschung mit einer prononciert eugenischen Position verbinden.

Auguste Forel ist nicht nur in der Psychiatrie, sondern auch in der Neuroanatomie, der Insektenkunde und der Philosophie bekannt. Er ist ein engagierter Sozialreformer, der sich mit Nachdruck für die Abstinenzbewegung einsetzt, zugleich aber prononciert eugenische Positionen vertritt. Die frühe neurowissenschaftliche Forschung bereichert er mit Arbeiten zur neuronalen Architektur des Gehirns. Darüber hinaus interessiert ihn die Prävention psychischer Erkrankungen und dabei speziell die erwähnte Eugenik, wobei er vor drastischen, heute abstossend wirkenden Formulierungen nicht zurückschreckt. Sein Schüler Alfred Ploetz (1860 - 1940), der Forels politische Grundhaltung zunächst vollständig teilt, vertritt später eine zunehmend autoritäre Variante des Darwinismus, die durch die Gründung der «Gesellschaft für Rassenhygiene» in Berlin 1905 institutionalisiert wird.

In den drei Jahrzehnten nach Beendigung seiner Universitätslaufbahn bleibt Forel unvermindert aktiv. Neben der Fortsetzung seiner Ameisenstudien engagiert er sich zunehmend weltanschaulich und politisch. So gehört er zu den ersten Mitgliedern des von Ernst Haeckel (1834 - 1919) 1906 in Jena gegründeten «Monistenbundes». 1916 tritt er in die Sozialdemokratische Partei ein und verbindet dies mit einer dezidiert pazifistischen Grundhaltung, dies sicherlich vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen als freiwilliger ärztlicher Helfer im deutsch-französischen Krieg von 1871 sowie während des Ersten Weltkriegs. Viele Jahre tritt er für die Verbreitung der aus ähnlicher Motivation heraus entwickelten Kunstsprache Esperanto ein.

Weiterführende Informationen

Biographie:

1848   Geboren am 1. September in Morges
1871 Nach dem Medizinstudium in Zürich und Lausanne für zwei Jahre als Doktorand beim bekannten Psychiater und Neuroanatomen Theodor Meynert (1833 - 1892) in Wien
1873 Beginn einer mehrjährigen Mitarbeit im hirnanatomischen Labor Bernhard von Guddens in München, dessen Zürcher Vorlesungen Forel als Student beeindruckt hatten
1877 Habilitation für Psychiatrie in München mit einer neuroanatomischen Studie
1879 Übernahme des ärztlichen Direktorats am Zürcher «Burghölzli» sowie der Professur für Psychiatrie an der Universität Zürich (im Alter von 31 Jahren!), wobei er den für seinen Vorgänger Eduard Hitzig so belastenden Konflikt mit der Klinikverwaltung bald beruhigen kann
1889 Eröffnung einer Klinik zur Behandlung von alkoholabhängigen Menschen in Ellikon an der Thur, woran Forel massgeblich beteiligt ist (die Klinik wird nahezu ein Jahrhundert später, 1984, nach Forel benannt)
1898 Aufgabe der klinischen und universitären Leitungsfunktionen auf eigenen Wunsch, fortan Arbeit als Privatgelehrter an vielfältigen Themen
(vor allem – neben seinen bis heute in Fachkreisen anerkannten entomologischen Studien über Ameisen – die Prävention und Behandlung der Alkoholabhängigkeit
1931 Gestorben am 27. Juli in Yvorne